Behinderte helfen Behinderten

Safet Srebrenica fehlt die linke Hand, andere haben Einschränkungen der Sinnesorgane, psychische Erkrankungen oder Lernbehinderungen. Die 15 Männer und Frauen im Alter zwischen 19 und 60 Jahren haben aber eines gemeinsam: Sie haben eine Chance bekommen. Gemeinsam absolvieren sie eine Qualifizierung zum Fahrdiensthelfer beim Deutschen Roten Kreuz (DRK), zehn Wochen lang.

Entwickelt wurde das Konzept von der Gesellschaft für Rehabilitations- und Integrationsmanagement (R&I) mit dem DRK. „Die Qualifizierung ist ein Pilotprojekt“, erklärt Alex Moll, Geschäftsführer von R&I. „Den Beruf des Fahrdiensthelfers gibt es noch nicht, aber es wäre schön, wenn unser entwickeltes Konzept dazu beitragen könnte, dass es ein richtiger Beruf würde.“

Qualifizierung wird heute abgeschlossen

Alex Moll hat ähnliche Projekte für die Integration von Menschen mit Behinderungen schon in Solingen erfolgreich umgesetzt, etwa bei der Großküche Genesis oder im Haus Müngsten. Den Ausbildungsplan für die Fahrdiensthelfer hat er gemeinsam mit dem Solinger DRK aufgestellt. Dort findet die zehnwöchige Qualifizierung, die heute zu Ende geht, auch statt.

„Es gibt sowohl einen theoretischen als auch einen praktischen Unterrichts-Teil“, erklärt Jan Welzel, Geschäftsführer des Solinger DRK. Gelernt werden Erste-Hilfe-Maßnahmen ebenso wie alles rund um den Krankentransport und die speziellen Anforderungen des Behinderten-Transportes. „Aber auch medizinische, technische, juristische und verkehrsrechtliche Themen stehen auf dem Lehrplan“, erklärt Alex Moll.

Bezahlt wird die Qualifizierung vom Landschaftsverband Rheinland (LVR). „Die haben bei dem Konzept sofort zugesagt“, betont Moll. Denn bei den Absolventen handelt es sich größtenteils um Menschen, die wegen ihrer Beeinträchtigung schon lange arbeitslos sind oder in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen beschäftigt waren.

Zehn Absolventen werden übernommen

Zehn der 15 Absolventen möchte das Solinger DRK als Fahrdiensthelfer übernehmen. „Diesen Bereich wollen wir zukünftig auch weiter ausbauen“, erklärt Jan Welzel (s. Kasten). Es sei wichtig, beim Thema Inklusion in alle Richtungen zu denken. „Auch Mobilität gehört dazu“, betont Welzel. „Wenn Menschen mit Behinderungen mobilisiert werden können, dass sie anderen Behinderten mehr Mobilität verschaffen, ist das ein gelungenes Projekt.“ Auch Safet Srebrenica ist begeistert. Jeden Tag kommt der 24-Jährige aus Mülheim, um die Qualifizierung zu absolvieren. Ab Januar wird er als Fahrdiensthelfer eine neue Arbeitsstelle beim Solinger DRK haben.

Solinger Tageblatt